Hertha unterliegt der TSG und verliert den Anschluss an die CL-Plätze

Nach der Länderspielpause empfing die ersatzgeschwächte Hertha die TSG aus Hoffenheim und hatte die Möglichkeit, sich durch einen Sieg nochmal ins Rennen um die Champions League Plätze einzuschalten…verpasste es aber.

Die Frage, die sich in letzter Zeit zu Beginn der Herthaspiele stellt, ist, wie sich die grundsätzliche Ausrichtung des Mittelfeldtrios Stark, Skjelbred und Darida darstellt. Immerhin hatte Hertha in den letzten Wochen einige sehr gute Auftritte mit einer Doppelacht aus Skjelbred und Darida, während die Spiele mit Doppelsechs immer wieder Probleme im Aufbauspiel mit sich brachten.

Die Grundformationen

Die Frage war tatsächlich nicht so direkt zu beantworten, da Hertha ein weiteres charakteristisches Stilmittel der letzten Wochen fortführte: Die Mannorientierungen des zentralen Mittelfeldes. Immer wieder orientierten sich Stark, Skjelbred und Darida an ihren direkten und stellten bei deren Verfolgung viele verschiedene Strukturen her. Das war natürlich vor allem von den Bewegungen der Hoffenheimer Mittelfeldspieler abhängig und variierte deswegen fast durchgehend.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die TSG aus der bekannten 3-1-4-2-Systematik aufbaute, die aber von vielen verschiedenen Asymmetrien geprägt war. So ließ sich Demirbay immer mal wieder aus dem rechten Achterraum zurückfallen und bildete mit dem dann nach links rückenden Rudy eine Doppelsechs, während es Amiri aus seinem halblinken Grundraum immer wieder weiter nach vorne zog. Zusammen mit dem umtriebigen Kramaric kam es so auch zu einigen Szenen mit dem Kroaten und dem Youngster als Doppelzehn hinter Sandro Wagner. Diese Doppelzehn wurde, bedingt durch Herthas Pressing, vor allem von halbrechts aus bedient.

Da Hofffenheims linker Halbverteidiger, Benjamin Hübner, vom etwas höher positionierten Esswein schnell angelaufen werden konnte und sich einem größeren Deckungsschatten ausgesetzt sah, wurde Niklas Süle im Spielaufbau umso wichtiger. Der zukünftige Münchener wusste in dieser Konstellation aber sehr wohl zu überzeugen und zeichnete sich durch einige gute Aufbaupässe aus. Darüber hinaus konnte er auch die passivere Spielweise von Kalou nutzen, indem er immer wieder zu Dribblings ansetzte.

In manchen Szenen war Hertha zwar in der Lage, Süle gut in die eigene Kompaktheit zu locken und den anschließenden Pass abzufangen, meistens entstand jedoch während der Dribblings ein freier Mann, den Süle dann auch sehr gekonnt in Szene setzte. Überhaupt war es so, dass Hertha mit zunehmender Spieldauer immer häufiger Räume offenbarte und nicht mehr jeden gegnerischen Akteur sofort unter Druck setzen konnte.

In höheren Zonen gelang das meistens noch ganz gut: hier waren Esswein und Kalou auch, wie so oft gegen Dreierketten, recht hoch und eng positioniert und konnten einige Passoptionen blocken. In tieferen Zonen bewegten sie sich aber breiter und tiefer, was Hoffenheim oft den Weg in den Halbraum öffnete. Vorher war noch interessant zu beobachten, dass sich die höhere Ausrichtung von Esswein in den Szenen, in denen sich die Hertha schon am gegnerischen Strafraum störte, auf Pekarik gewissemaßen übertrug, da dieser oft aus einer höheren Grundposition starten musste. Immerhin wären sonst bei einem Pass auf Zuber große Räume bespielbar gewesen. Auf der anderen Seite gab Mittelstädt einen normalen Linksverteidiger, der auch nur selten weit herausrückte, um Toljan zu pressen. Insgesamt lässt sich Herthas Grundsystematik im Angriffspressing eher als 4-1-4-1 beschreiben, während es sich in tieferen Zonen oft in ein 4-4-2 wandelt. Dann war es Zuber auch möglich, hinter Esswein in den Halbraum einzurücken und so als freier Mann anspielbar zu sein. In solchen Szenen löste Hoffenheim situativ die Breite auf, da es nicht immer gegenläufige Bewegungen aus dem Zentrum nach außen gab. So hatte Hoffenheim dann Überzahl im mannorientiert verteidigten Zentrum, was sich wieder mal als extrem effektiv erwies. Esswein war in solchen Szenen oft schon tiefer positioniert, weshalb Pekarik nicht so hoch stand und keinen direkten Zugriff hatte, während Esswein eher darauf wartete, nach außen pressen zu können. So konnte Zuber ablegen oder gar aufdrehen und auf Herthas Viererkette zudribbeln.

Beispielhafte Darstellung für das Einrücken Zubers.

Insgesamt war Hoffenheim im zweiten und letzten Drittel sehr gut darin, Hertha so zu bewegen, dass sich die Schnittstelle zwischen dem Berliner Sechser und dem jeweiligen Außenspieler öffnete. Auf halbrechts wurde sie dann aber nicht durch den Wingback besetzt, sondern überwiegend durch Kramaric oder Demirbay. Die vielen Rochaden von Hoffenheims Offensiven führten außerdem dazu, dass Hertha seine Struktur beim Verteidigen in tiefen Zonen komplett verlor und der Rückraum für Rudy und Co. sehr einfach zu kontrollieren war. Aufgrund dessen konnten die Sinsheimer recht geduldig auf freigewordene Spieler verlagern und versuchen, sich durch den Zwischenlinienraum hinter die letzte Linie zu kombinieren. Dabei blieben sie zwar oft hängen, konnten Berliner Konter immer besser verhindern, je länger das Spiel dauerte. Letztlich entstand aber der Elfmeter zum 1:1 aus einer solchen Kombination.

In der ersten halben Stunde hingegen kam aber auch Berlin immer mal wieder zu Kontern. Mal durch einen Ballgewinn im hohen Pressing oder durch eine zweite Welle, wie ansatzweise beim 1:0. In diesen Szenen wurden dann schnell die Flügelspieler angespielt, die durch eine Hereingabe wiederum für Gefahr sorgen sollten. Esswein hatte dabei in simplen Situationen ganz gute Szenen, war aber sonst wieder mal überfordert, wenn er sich in statischen, komplexen Situationen wiederfand. Trotzdem entstanden so Chancen und auch das 1:0 für die Hertha.

Aus dem ruhigen Aufbauspiel heraus war Pal Dardais Team aber eher überfordert. Bei Hoffenheim rückte Vogt dann in den Sechserraum aus und sorgte so für eine Umschiebung, die zu einem sehr anpassungsfähigen Konstrukt mit Staffelungen von 4-1-2-3 bis 4-4-2 sorgten. Dabei zeichnete sich das Pressing durch sehr viele Spieler in hohen Zonen aus, was Ballgewinne aufgrund der sofort vorhandenen Überzahl sehr gefährlich machte und das Aufbauspiel der Hertha über zurückfallende zentrale Mittelfeldspieler weitestgehend lahmlegte. Dennoch gelang es dem Hauptstadtklub in ein paar Szenen über direkte Kombinationen mit Unterstützung der Sechser sich den Flügel entlang zu befreien.

Wenn das komplette Mittelfeldtrio dann auf diese Seite schob, ergaben sich aus der Überladung wieder mal gute Ansätze, die aber kaum bis vor das Tor getragen werden konnten. Das lag auch daran, dass die Hertha die freien Flügelräume, die dadurch entstanden, dass Hoffenheim sich in fortgeschrittenen Spielzügen in ein 5-3-2 fallen ließ, nur selten wirklich gut bespielte. Stattdessen wurde, gerade auf rechts, oft verfrüht geflankt oder zu linear der Weg zur Grundlinie gesucht.

 

Nach der Pause verlegte Hoffenheim die Pressinghöhe etwas nach hinten und lief auch nicht mehr so aktiv an, wie das noch über weite Strecken im ersten Durchgang der Fall gewesen war. So konnte Hertha auch einige etwas längere Ballbesitzphasen vorweisen, ohne dabei aber Gefahr zu erzeugen. Bei der TSG schien es in den Folgeminuten, als hätte man offensiv auf ein 3-4-2-1 umgestellt, in dem Demirbay und Rudy die Doppelsechs hinter Kramaric (halblinks) und Amiri (halbrechts) bildeten.

Allzu lange waren diese Ansätze aber auch nicht von Bedeutung, da sich Hertha durch die Gelb-Rote Karte für Mittelstädt einer gänzlich neuen Ausgangslage konfrontiert sah. Nachdem kurz Stark die Linksverteidigerposition besetzte, kam der junge Torunarigha ins Spiel und machte seinen Job als Außenverteidiger ganz ordentlich. Hertha hatte fortan Esswein oder Darida in der Sturmspitze und versuchte über weit ausweichende Bewegungen zu Flügeldurchbrüchen zu kommen. Diese Ansätze waren aber nur äußerst selten zu sehen, da Hoffenheim begann, Hertha nach allen Regeln der Kunst hinten einzuschnüren und über viel hohe Präsenz, noch mehr Rochaden sowie ein sehr kluges und ruhiges Ballbesitzspiel eine Chance nach der anderen zu kreieren.

Berliner Entlastungsangriffe entwickelten sich zu einer absoluten Seltenheit, da sie oft durch Rudy und die vorgeschobenen Halbverteidiger, spätestens aber durch den dahinter absichernden Vogt schnell unterbunden wurden. Nach dem 1:2 gab es dann doch nochmal eine Druckphase für Hertha, in der diese einige lange Bälle provozieren und Hoffenheim in der eigenen Hälfte halten konnte, der Ausgleich sprang dabei nicht mehr heraus. Stattdessen markierte Kramaric den Schlusspunkt einer sehr interessanten Partie.

Fazit: Hertha konnte in der ersten Halbzeit gut mithalten, auch wenn die TSG klar die bessere Spielanlage vorzuweisen hatte. Der zweite Abschnitt verlief dann ziemlich unglücklich, letztlich ging das Ergebnis aber in Ordnung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.