Spielanalyse: Hertha BSC 2:0 Hamburger SV

Im ersten Spiel unter Markus Gisdol zeigt der HSV eine ordentliche Leistung, schafft es aber nicht, seinem neuen Cheftrainer einen erfolgreichen Einstand zu bescheren. Hertha kommt mal wieder über das gute eigene Pressing zu einigen Konterchancen und gewinnt so am Ende verdientermaßen 2:0.

Die Aufstellungen.
Die Aufstellungen.

Die Hamburger begannen mit Lasogga neben Wood im Sturm und Müller und Kostic als Flügelzange. Überraschenderweise startete Müller links und Filip Kostic rechts. Gegen den Ball ergab das ein hohes 4-4-1-1/4-4-2-Mittelfeldpressing, aus dem heraus Wood und Lasogga schon früh Herthas Innenverteidigung anliefen und bis auf Rune Jarstein durchpressen konnten. Hinter der ersten Linie wurden Lustenberger und Skjelbred lose mannorientiert von Ekdal und Holtby verfolgt. So gelang es dem HSV in der Anfangsphase oft schon früh, einen langen Ball der Hertha zu erzwingen und so ein intensives Spiel zu erzeugen.

An sich erfüllte das Hamburger Pressing also seinen Sinn und war für die Berliner nur schwer zu knacken. In einigen Szenen hatte Gisdols Team jedoch Probleme, wenn Langkamp oder Stark in den Flügelzonen den Ball erhielten. Dann hingen die Kostic und Müller oft in der Luft und pressten weder den Innenverteidiger, noch schlossen sie den Passweg zum Außenverteidiger. Vielmehr sollten sie wohl einen direkten Pass des Innenverteidigers auf einen einrückenden Flügelspieler der Hertha schließen. Da aber einige Male gleichzeitig der Hamburger Außenverteidiger mannorientiert eine einrückende bzw. zurückfallende Bewegung Haraguchis oder Essweins verfolgte, ergaben sich Freiräume für die Berliner Außenverteidiger, die angespielt werden konnten und durch Plattenhardt so den Lattentreffer von Mitchell Weiser einleiteten. In den meisten Szenen hatte Hamburg das Aufbauspiel der Berliner aber gut im Griff.

Bei langen Bällen der Hertha war Hamburg ebenfalls gut vorbereitet und ließ durch die zweiten Bälle keine allzu große Gefahr aufkommen. In einigen Szenen startete Wood auch etwas tiefer als Lasogga und orientierte sich an  der Berliner Doppelsechs, dessen tieferen Part er dann deckte. Insgesamt stand Hamburg so ziemlich kompakt und konnte wie oben beschrieben gut Druck ausüben.

Gerade in der Anfangsphase presste Hamburg noch sehr intensiv und konnte durch die vielen Befreiungsschläge der Hertha auch ein Übergewicht im Ballbesitz verzeichnen. Hier übte die Hertha erstmal wieder kaum Druck auf die tiefe Ballzirkulation des Gegners aus, der den Ball darum wieder ruhig in der ersten Linie laufen lassen konnte. Von der Doppelsechs aus ließen sich Holtby und Ekdal oft zurückfallen, wodurch es einige unterschiedliche Aufbaustrukturen des HSVs zu sehen gab: Oft war es so, dass einer aus der Doppelsechs neben die Innenverteidigung herauskippte, während der andere dann den zentralen Raum vor der Abwehr besetzte. Manchmal verließen sogar beide ihre Position und füllten die Kette neben Spahic und Cleber. In den meisten Fällen war es Holtby, der nach links herauskippte, sodass Spahic der zentrale Mann einer Aufbaudreierkette war.

Beispiehafte Aufbaustaffelung mit herausgekipptem Holtby.
Beispiehafte Aufbaustaffelung mit herausgekipptem Holtby.

So oder so, all die Bewegungen hatten einen unangenehmen Nebeneffekt: Durch die fehlenden Anspielstationen wurde das Zentrum für die Hamburger kaum bespielbar. Das lag auch daran, dass Wood vorne zwar umtriebig war, aber kaum mal mit zurückfallenden Bewegungen einen Weg nach vorne eröffnete. So landete der erste Pass nach vorne oft entweder bei den Außenverteidigern oder es war ein langer Schlag nach vorne.

In der Anfangsphase stellte das für die Hamburger auch kein Problem dar, immerhin konnten Lasogga und Wood einige Male den Ball festmachen und sogar zu einigen Abschlüssen kommen. Mit zunehmender Spieldauer offenbarten sich aber Probleme für den Aufbau des Tabellen-17.

Vom  Flügel aus tat sich der Sportverein schwer, wieder den Weg vor das Tor der Hertha zu finden. Auf den Flügeln fehlte es nämlich sowohl an personeller Unterstützung für die Außenspieler, als auch an Verbindungen zurück in die Mitte oder auch nur die Halbräume, auch zurückfallende Bewegungen der Stürmer waren kaum eine Hilfe. Oft konnte Hertha die Angriffsbemühungen der Hamburger so schnell zuschieben und auf der Außenbahn den Ball gewinnen. In manchen Ausnahmen konnten Kostic oder Müller direkt im Halbraum angespielt werden oder der Ball zu einem aufrückenden Sechser abgelegt werden. Auch diagonale oder horizontale Zuspiele waren manchmal möglich, aber auch wirklich nur manchmal. Und selbst wenn eine der gerade genannten Situationen auftrat, konnte Herthas gutes Mittelfeld viele Anschlussaktionen verhindern und auch den Ball erobern.

Sonst konnte Hertha oft den Ball erobern und zu einem Konter ansetzen. Hierfür ergaben sich dann einige Vorteile: Oft hatten sie am Flügel lokale Überzahlsituationen erzeugt und waren deshalb nur schwer zu pressen.. Außerdem war der HSV durch seine Aufbaustaffelungen in manchen Szenen kaum in der Lage, wirklich gegenzupressen, da viele Spieler entweder sehr hoch, sehr tief oder sehr breit positioniert waren und kaum Überzahl herstellen konnten. Die individuelle Klasse von Haraguchi, Ibisevic, Stocker und Skjelbred sowie das Tempo von Esswein halfen natürlich auch weiter

Nach einer schwungvollen Anfangsphase inklusive einiger Torchancen zog sich der HSV etwas weiter nach hinten zurück und presste nicht mehr so aggressiv wie vorher. So kam Hertha zwar über den Ballbesitz etwas besser ins Spiel, konnte aber auch nicht mehr so leicht Kontern oder die gelegentlich auftretenden Abstimmungsprobleme der Hamburger Flügelspieler nutzen. Im Ballbesitz zeichnete sich dafür wieder Weiser mit gut getimtem Einrücken aus. Auf diesem Weg konnte er nämlich situativ den direkten Passweg für Langkamp auf Esswein freiziehen und den Angriff beschleunigen.

Derweil interpretierte Valentin Stocker wie auch gegen Frankfurt seine Position so, dass er von der Zehn aus oft zu Ibisevic aufschloss und an der letzten Linie die Angriffe auf den Außenbahnen unterstützte. Dahinter zeigte Lustenberger wieder mal seine Qualitäten im Weiterleiten des Balles und dem sofortigen Spielens ‚loser‘ Bälle. Vor allem über den starken Haraguchi kam Hertha auch nach diagonalen bzw. in die Mitte ziehenden Aktionen zu Chancen, zum Beispiel seinem eigenen Pfostenschuss. Das 1:0 fiel aber letztlich etwas zufällig nach einer Ecke.

In der zweiten Halbzeit war deswegen vor allem der HSV gefordert. Hertha konnte sich nun zurückziehen und dem Gegner den Ballbesitz überlassen. Zu Kontern kam man weiterhin auch über die schnellen Außenspieler, die nun die Seiten getauscht hatten. Auch bei Hamburg gab es immer wieder Szenen, in denen Müller und Kostic wieder auf ihren bewährten Seiten wirbelten. Am besten war der Dino aber, wenn beide eine Seite überluden und so auch Verbindungen in die Mitte herstellen konnten.

Oft waren aber die Probleme der Hamburger dieselben wie im ersten Durchgang. So kam Hertha weiterhin zu einigen Kontern und schließlich auch zum 2:0. Die Einwechslung Halilovics hatte zwar einen kurzen Effekt und verbesserte die Kombinationen von Gisdols Team, verpuffte aber auch spätestens bei Ekdals Auswechslung.

Fazit: Hertha kann mal wieder mit einem kompakten Pressing, Kontern und Per Skjelbred einem Gegner zuhause drei Punkte abnehmen. Für Gisdol war es wohl ein ordentliches Debüt mit einigen guten Ansätzen aber auch der Aussicht auf viel weitere Arbeit.

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