Hertha BSC 2:1 1. FC Köln

Hertha BSC empfing zum 8. Spieltag die erstaunlich ähnlichen und sogar ähnlich erfolgreichen Kölner.
Von Beginn an zeigte sich, dass beide Teams die letzten Jahre nicht nur eine annähernd gleiche Entwicklung durchlaufen haben, sondern auch zu fast demselben Endprodukt wurden. Ebenso wie

Die Aufstellungen.
Die Aufstellungen.

die Hertha in den ersten Wochen unter Dardai zeichneten sich auch die Kölner in ihren ersten Bundesligaspielen unter Peter Stöger durch einen hohen Fokus auf die defensive Stabilität und einen fast kompletten Verzicht auf Ballbesitz aus. Nach und nach entwickelten beide dann ein sehr flügellastiges Ballbesitzspiel. Der Effzeh hatte in diesem Spiel aber zuerst einmal Probleme, dieses Ballbesitzspiel auch wirklich aufziehen zu können.
In der ersten Aufbauphase der Kölner zeigte sich schnell eine durch die Außenverteidiger bedingte Asymmetrie: Der gelernte Innenverteidiger Sörensen blieb auf rechts tiefer, während Jonas Hector auf der linken Seite deutlich weiter aufrückte. Durch seine aufrückenden Bewegungen verlor er aber manchmal die Anbindung an die Innenverteidigung und lenkte so das Aufbauspiel seiner Mannschaft auf die eigene rechte Seite. Dort hatte Sörensen dann aber Probleme, das Spiel weiter konstruktiv zu eröffnen, da Risse hinter Haraguchi nicht anspielbar war, der ballnahe Sechser mannorientiert zugestellt wurde und sein Herthaner den Rückpass auf den Innenverteidiger belauerte. Das alles tat Hertha aus dem gewohnten 4-4-2-Mittelfeldpressing heraus, in dem sie etwas mannorientierter als sonst wirken.
Auf der anderen Seite gab es sehr ähnliche Wechselwirkungen zu beobachten: Auch die Kölner formierten sich in einem klaren, sogar noch klareren 4-4-2, Hertha spielte den ersten Ball oft einen der Außenverteidiger und konnte dort dann zumindest ansatzweise isoliert werden. Dennoch hatte Hertha einige Vorteile.
Wie schon beschrieben wurde Kölns Aufbauspiel nämlich sehr oft durch das Aufrücken von Hector von der linken Seite ferngehalten, während Hertha keine derartige Einschränkung hinnehmen musste. Zumindest dieser Vorteil war aber auch nicht von langer Dauer, da die Kölner Sechser Höger und Lehmann schnell begannen, neben Mavraj herauszukippen und Aufbaudreierketten zu bilden. Durch die wurde dann auch Sörensen nach vorne geschoben und Heintz konnte aus aufgerückter Position auch mal Hector erreichen. Doch durch die Lösung des ersten Problems, ergab sich schnell das nächste: Kölns Zentrumpräsenz ging flöten oder wurde durch die dafür nicht prädestinierte Flügelzange Rausch und Risse hergestellt. Außerdem war Herthas Pressing durch die vereinzelten Mannorientierungen etwas flexibler als das des Karnevalsklubs, welches oft wie an der Takktiktafel gezogen aussah und ein wenig an die Anfangsphase von Pal Dardai als Cheftrainer erinnerte.

Beispielhafte Szene für die Probleme im Kölner aufbau in der Anfangsphase.
Beispielhafte Szene für die Probleme im Kölner aufbau in der Anfangsphase.

Den Defiziten zum Trotz kamen die Kölner aber schon noch zu einigen Chancen. Woran lag das? Köln konnte den Ball lange in der ersten Linie zirkulieren lassen, da sie kaum mal wirklich angelaufen wurden. Anschließend suchten sie oft Modeste oder Osako mit langen Bällen und kamen dann irgendwie in den Berliner Strafraum. Außerdem zeigten sie ein sehr gutes Umschaltverhalten nach Ballgewinnen, sodass sie auch aus erstmal aussichtslosen Situationen etwas Gefährliches machen konnten. In solchen Situationen zeigte gerade Yuya Osako dann gute, zurückfallende Bewegungen, um Verbindungen herzustellen, während Anthony Modeste weiter vorne Tiefe gab und versuchte, sich von seinem Gegenspieler zu lösen.
Neben einigen Problemen der Kölner hatte Hertha aber wohl auch einfach die größere individuelle Qualität auf dem Feld, was sehr weitereichende Folgen hatte. Am gravierendsten war der Unterschied wohl auf der Rechtsverteidigerposition, wo Sörensen auf Kölner Seite viele Probleme hatte, während Mitchell Weiser seine tolle Form bestätigte und sowohl mit als auch ohne Ball ansprechende Bewegungen zeigte. Ein paarmal konnte er durch Dribblings Lösungen gegen Kölns Defensivblock finden, wenn Sörensen wohl zum langen Ball hätte greifen müssen. Auch das Sturmpaar Kalou-Ibisevic beteiligte sich noch etwas besser an Kombinationen als Osako und Modeste es taten. Vor allem Kalou zeigte nach seiner längeren Abwesenheit, was er für ein unglaubliches Talent hat, auch wenn das selbstverständlich noch nicht in jeder Situation so gut war wie in der letzten Saison. Außerdem hatte Hertha dann bei einem etwas überfordert wirkenden Schiedsrichter noch das nötige Glück vor dem 1:0 und ging so mit einem Vorsprung in die Pause.
Nach der Pause sorgte Leonardo Bittencourte, der für Osako eingewechselt wurde, für deutlich mehr Schwung in Kombination mit Rausch und Hector auch für das 1:0. Die szene zeigte wohl auch, wie Peter Stöger sich das Zusammenspiel seiner Mannschaft auf links vorstellte: Rausch konnte im Halbraum direkt bedient werden und auf Hector ablegen, zusammen mit Bittencourt spielte man dann Modeste frei. Durch einen Treffer von Niklas Stark nach einem Freistoß stellte Hertha später aber die Führung wieder her.
Fazit: Hertha gewinnt das Duell der pragmatischen Allrounder durch individuelle Qualität und etwas Vorsprung in der mannschaftlichen Entwicklung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.