Der Trend setzt sich fort – Hertha verliert gegen Bremen

Nach der gelungenen Aufholjagd am letzten Spieltag gegen Wolfsburg empfing Hertha dieses Mal Werder Bremen. Erfreulicherweise konnte Dardai hierfür auch wieder auf Skjelbred und Ibisevic zurückgreifen, deren Ausfall nur schwer aufgefangen werden kann. Darüber hinaus gab Darida sein Startelfcomeback auf der Zehnerposition.

Gleich zu Beginn zeigte sich auch schon, was die personellen Änderungen bedeuten würden: Durch Daridas umtriebige Art wurden viele Rochaden angestoßen und der Tscheche unterstützte überall auf dem Platz Kombinationsansätze. Auch Kalou beteiligte sich einige Male an den sehr flexiblen Bewegungen. In der vergangen Saison lag die Ursache für den Erfolg dieser Rochaden darin, dass  trotz der sehr freien Bewegungen ordentliche Verbindungen nach vorne hergestellt werden konnten. Das gelang zwar nicht immer direkt, musste es aber auch nicht, da Hertha den Ball in sehr ruhig in der ersten Linie zirkulieren ließ. Irgendwann konnte dann der Gegner nicht mehr alle Optionen zustellen und Hertha kam zu Raumgewinnen.

Formationen  bei Berliner Ballbesitz.
Formationen bei Berliner Ballbesitz.

Gegen Bremen war es aber so, dass Skjelbred, Darida und Lustenberger die im letzten Jahr noch so erfolgreichen Abläufe kaum wiederholen konnten. Das lag vermutlich an mehreren Faktoren: Lustenberger kippte beispielsweise sehr oft ab, womit er zwar die tiefe Zirkulation stabilisieren, nicht aber mit Skjelbred und Darida die Positionen tauschen konnte. Selbst wenn er sich dann mal etwas höher bewegte, war er nicht wirklich in der Lage, die Bewegungen seiner Kollegen mitzubalancieren. Hier muss aber erwähnt werden, dass das bei Darida auch nicht immer leicht ist. Der Tscheche löst mit seinen sehr weiträumigen Läufen zwar viele Dynamiken aus, bewegt sich jedoch unabhängig davon und muss deswegen oft vom Berliner Mittelfeld balanciert werden.

An guten Tagen werden so Verbindungen im Überfluss erzeugt, an weniger guten Tagen nicht. Das Spiel gegen Bremen fiel auf einen weniger guten Tag. Natürlich lag das nicht nur an ihm oder Lustenberger, da auch Skjelbred nicht ganz so exzellent unterwegs war wie man es vielleicht von ihm gewohnt ist (obwohl er auch seine Szenen hatte), alles in allem machte das aber auch keinen Unterschied. Vermutlich wären die noch nicht perfekt abgestimmten Bewegungen gar nicht so schlimm gewesen, hätten nicht noch ein paar andere Faktoren die Sache verschlimmert: So fehlte mit Brooks der Spieler, der solche Staffelungsprobleme mit seinen tollen Pässen in besser strukturierte Zonen egalisieren kann. Hätte außerdem ein Rechtsaußen auf dem Platz gestanden, der bei Ballannahmen im linken Halbraum nicht den direkten Weg zum eigenen Tor geht und auch sonst eine etwas bessere Entscheidungsfindung aufweist, hätten die dortigen unterstützenden Bewegungen Daridas ebenfalls besser in Szene gesetzt werden können.

Zumindest hinsichtlich der unpassenden Bewegungen im Mittelfeldzentrum hätten wir vermutlich noch eine Grafik geliefert, aber die nicht so schönen Situationen gab es auch letzte Saison zu sehen, es blieben vielmehr die guten aus.

Schade war die schlechte Leistung auch angesichts einiger Aspekte des Bremer Spiels, die man hätte nutzen können. So war das 4-4-2-Mittelfeldpressing der Norddeutschen nicht immer wirklich kompakt, da Gnabry einige Male auf links etwas zockte und somit den linken Halbraum öffnete. Auch die vielen weiträumigen Herausrückbewegungen von Abwehr und Sechsern hätten genutzt werden können. Als Stocker für den verletzten Langkamp eingewechselt wurde, weshalb Lustenberger in die Innenverteidigung und Darida auf die Sechs rutschte, begann der Schweizer viele Läufe hinter Garcia zu starten, der den zurückfallenden Esswein verfolgte. Dabei wurde er aber deutlich zu oft mit langen Bällen in Szene gesetzt, immerhin war er dort meistens ziemlich auf sich allein gestellt und musste erstmal das schwierige Anspiel kontrollieren. Ob diese Anspiele von ihm auch gewollt waren oder er eigentlich nur Esswein balancierte, sei jetzt mal dahin gestellt.

Jedenfalls waren diese Bewegungen hinsichtlich der fehlenden Verbindungen im Zentrum auch eher kontraproduktiv. Möglicherweise wäre es deswegen besser gewesen, Kalou ins Zentrum zu ziehen, immerhin ist der Ivorer auch sonst als oft im Zentrum unterwegs und kann dort durch seine außergewöhnlichen Qualitäten im Dribbling Angriffe im Alleingang voranbringen. So half es aber auch nicht, dass er und Esswein gelegentlich die Seiten tauschten, der Ball konnte kaum mal vor Drobnys Tor gebracht werden. Eher hatte man sogar Probleme den Ball konstant hinten herauszuspielen, Bargfredes Herausrücken gegen Herthas tieferen Sechser sorgte für einige Probleme und letztlich sogar den Siegtreffer.

Neben den vielen Problemen im Aufbauspiel hatte Hertha auch gegen den Ball einige Schwierigkeiten und zeigte dort die wohl schwächste Leistung der ganzen Saison. Um Bremens Angriffsspiel zu stoppen, wollte Pal Dardai vor allem Pässe auf die vordersten Vier – Bartels, Gnabry, Kruse und Pizarro – verhindern. Dafür agierte Hertha mal wieder ziemlich 4-2-3-1-mäßig, die Umsetzung war aber deutlich schwächer als die letzten Wochen.

Das ganze Berliner Team schien deutlich mannorientierter aufzutreten, schaffte es dabei aber nie, wirklich unangenehm zu werden. Stattdessen hatte man nirgendwo wirklich Zugriff und konnte auch Pässe auf das Bremer Angriffsquartett nicht wirklich unterbinden. Angefangen bei Darida, der manchmal einen grünweißen Sechser deckte und manchmal auch einfach orientierungslos herumlief, war Hertha schon um den gegnerischen Sechserraum herum nicht wirklich kompakt. Immer wieder fand Alexander Nouris Team Fritz oder Bargfrede, die dann weiter nach vorne eröffnen konnten. Gerade die Verteidigung der Halbräume ließ dabei stark zu wünschen übrig, da Kalou und Esswein ebenfalls mannorientiert ihren Gegenspielern folgten. Konsequent wäre es dann wohl gewesen, wenn der Außenverteidiger bei einem Pass in diesen Raum auf seinen Gegenspieler herausrückt, tat er aber nicht.

Auch gelegentliches Anlaufen der Innenverteidiger durch einen der Flügelspieler wirkte nicht gut abgestimmt und öffnete stattdessen noch den gegnerischen Außenverteidiger. Robert Bauer war auf rechts etwas höher positioniert, weshalb vor allem Kalou in Schwierigkeiten kam. Zum Glück für die Hertha war Bremen aber beim Ausspielen der Situationen, in denen es den Ball hinter dem Mittelfeld empfangen konnte, sehr hektisch und vergeudete so wohl viel Potenzial.

Nach der Halbzeitpause änderte sich nicht viel, und das obwohl Hertha seit der Bremer Führung durch Kruse gezwungen war, sich mal Chancen herauszuarbeiten.

Mit der Einwechslung von Weiser für Esswein schienen Stocker und Kalou kurzzeitig mal häufiger zurückzufallen und vielversprechende 4-1-2-3-Staffelungen herstellen zu wollen, schon wenig später wurden diese Strukturen aber schon wieder zur Rarität, vielmehr gab es jetzt einen Fokus auf viel hohe Präsenz zu beobachten. Dieser sorgte aber für noch weniger klare Wege aus dem Mittelfeld nach vorne. Zwar gab es durch einige mehr oder weniger zufällige Aktionen ein paar Chancen, ein Tor sprang dabei aber nicht heraus.

Durch die Unverbundenheit war es für die Bremer nun auch ein Leichtes, bei Kontern bis in den Strafraum des Hauptstadtklubs vorzudringen. Dass es dabei beim 1:0 blieb, war extrem glücklich.

Fazit: Eine der schwächsten Berliner Spiele diese Saison, was sich jedoch schon angedeutet hatte. Wenn es Hertha auch nächste Woche nicht schafft, die Rochaden im Mittelfeld wieder konstanter umzusetzen und auch die Kompaktheitsprobleme nicht in den Griff bekommt, dürfte es gegen RB Leipzig unschön werden.

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