Darauf lässt sich nicht aufbauen.

Am Ende der englischen Woche ging es für die Hertha nach Köln, wo der Tabellenletzte nach dem Überraschungserfolg in der Europa League nun auch erstmals in der Bundesliga einen Dreier einfahren wollte.
Wie schon unter der Woche gegen die Gunners stellte Peter Stöger sein Team dafür in einem 5-2-3/5-4-1-System auf. Neben einigen guten Ansätzen im Ballbesitzspiel wirkte die neue Formation aber noch sehr improvisiert und wirkte durch einige strategische Entscheidungen nicht so effektiv, wie sie hätte sein können. Im Gegensatz zu den Kölnern blieb Pal Dardai seiner Linie treu und schickte sein Team in der gewohnten Ausrichtung in die Partie, wenngleich die Doppelspitze Selke/Ibisevic immer noch etwas ungewohnt daherkommt.
In den ersten Minuten entwickelte sich durch Kölns systematische Umstellung ein recht interessantes und größtenteils ausgeglichenes Aufeinandertreffen. Zwar hatte Berlin ein leichtes Ballbesitzplus, vermochte es aber noch nicht, daraus Kapital zu schlagen. Grund dafür waren die unverbundenen Reihen der Berliner: Wie immer orientierten sich die Flügelspieler die meiste Zeit nach vorne an die letzte Linie, dieses Mal tat es ihnen auch der zweite Stürmer gleich, sodass sich viele 2-4-0-4-Staffelungen ergaben, aus denen die Hertha den Ball ruhig vor Kölns zurückgezogener Formation laufen lassen konnte, aber sich den Übergang in die höheren Zonen sichtlich selbst erschwerte.
Der Effekt wurde durch die personelle Besetzung sogar noch verstärkt. Mittelstädt links vorne, der sich fast komplett auf Abschlüsse und Flanken konzentrierte und sich noch weiter außen positionierte, als es bei unter Pal Dardai eh schon üblich ist, sowie die zwei Stürmer, die sich viel zu selten fallen ließen. Es soll Gegner geben, die man nur so bezwingen kann, Köln war keiner davon.
Die Gastgeber pressten oft eine kurze Zeit lang in einem hohen 5-2-3-Mittelfeldpressing, in dem viele Mannorientierungen auf Skjelbred, Maier und zurückfallenden Offensivspielern eingegangen wurden. Dieser Druck war jedoch nicht ausreichend, um Ballgewinne zu erzwingen, stattdessen wurde der Ball nur eine Zeit lang in tieferen Zonen, bis entweder ein zurückfallender Offensivspieler doch frei war oder der Ball über die Außenverteidiger nach vorne getragen werden konnte.


Dann zog sich Köln schnell in ein sehr abwartendes 5-4-1 zurück, das aber aus verschiedenen Gründen nicht wirklich zum Mauern geeignet war. Grundsätzlich war schon die gesamte Anlage im Verschieben zu inkohärent und die Abstände sowohl zwischen als auch innerhalb der Ketten viel zu groß. Herausrückbewegungen waren nur in den seltensten Fällen vorgesehen und erfolgten nur auf individueller Ebene, sprich dahinter zog sich die Kette auch kaum zusammen. Besonders auffällig waren diese Mängel, wenn Berlin von den Außenverteidigern zurück in die Mitte spielen konnte. Dann hatte der jeweilige Sechser oft schon keinen Druck, da Pizarro sich am Verteidigen kaum beteiligte. Anschließend war der ballferne Halbraum oft meilenweit offen, für viele Mannschaften ein gefundenes Fressen.
Noch skurriler war das Verhalten der offensiven Außenspieler. Sie koppelten sich vom restlichen Kettenmechanismus ab und ließen auf diese Weise die riesigen Löcher entstehen. Gleichzeitig schoben Jojic und Özcan oftmals weit aus ihrer Position auf den Flügel, um Druck zu erzeugen, ohne dabei abgesichert zu werden.
Dass der FC sich das erlauben konnte, lag zum Großteil am Unvermögen der Hertha, auch nur einen Spieler in solche Räume zu bringen, obwohl der Effekt riesig hätte sein können. Stattdessen wurden viele Angriffe frühzeitig durch Halbfeldflanken auf die beiden Stürmer beendet, während Angriffe durch die Mitte die große Ausnahme darstellten.
Nun könnte man meinen, die oben dargestellten Situationen waren ziemlich speziell, allerdings gab es auch aus ganz normalen ruhigen Aufbausituationen die Chance, zu einfachen Angriffen durch die Mitte zu kommen. Die Eigenheiten des tiefen Kölner 5-4-1 bedeuteten auch dass Maier und Skjelbred keinen Druck fürchten mussten, wenn sie den Ball vor dem Mittelfeld erhielten. Der Norweger schien noch eher in der Lage, das zu nutzen, Maier beschränkte sich hingegen auf sehr einfache und risikoarme Aktionen, die kaum einen Nutzen für sein Team hatten. Einen Taktikblogger treibt sowas schnell mal zur Verzweiflung.
Dass das Tor dann aus einer Ecke nach einer der Halbfeldflanken fällt, stellt die Ausrichtung in ein besseres Licht als es ihr zusteht. Wie man nämlich relativ simpel aber doch effektiv durch eine mäßig kompakte Formation kombinieren kann, zeigten ausgerechnet die Kölner auf der anderen Seite. Vor der Aufbaudreierkette mit dem jungen Bisseck als rechtem Halbverteidiger zog der FC ein äußerst fluides Bewegungsspiel mit vielen Rochaden zwischen Mittelfeldspielern und Stürmern auf. Vielfach verblieb nur einer aus Jojic und Özcan vor Lehmann, während der andere sich in den vorderen rechten Halbraum bewegte, den anschließend Bisseck mit Dribblings und Pässen anzusteuern versuchte. Zusammen mit Osako, der viel horizontal pendelte, und Klünter  konnte der aufrückende Sechser flexibel auf die gegnerischen Staffelungen reagieren und in einigen Szenen auch mal über ansprechende Rochaden den Raum hinter Plattenhardt ansteuern.
Den Berliner Mannorientierungen wurden dann die Grenzen aufgezeigt. Einzig das Rückwärtspressen von Selke half etwas dabei, das gegnerische Mittelfeld besser zu kontrollieren. Noch schöner als die Rochaden rechts waren Szenen, in denen sich Guirassy im linken Halbraum fallen ließ und so eine Überzahl im Mittelfeldzentrum herstellte. Özcan und Jojic wussten das sehr passend zu nutzen und konnten so kontrolliert im Sechserraum aufdrehen und den Zwischenlinienraum ansteuern. Für die ganz großen Chancen war die Spielanlage auch in dieser Phase zwar noch zu improvisiert, dass Pizarro & Co. aber trotzdem für Gefahr sorgen können, bewiesen sie hinlänglich.
Zur zweiten Halbzeit brachte Stöger schließlich Handwerker für Jojic und Köln  wechselte zurück ins gewohnte 4-4-2-System. Einerseits brachte das wieder mehr Stabilität und Kontrolle für die Gastgeber mit sich, die sehr guten Ballbesitzansätze gingen aber verloren. Dass es trotzdem nochmal ein Kölner Aufbäumen gab, war hauptsächlich Dardais Team zu verdanken. Dieses stellte sich quasi zeitgleich mit Wiederanpfiff nur noch hinten rein, die zweiten Bälle, die in der ersten Halbzeit noch eine rein blau-weiße Angelegenheit waren, landeten jetzt ausschließlich bei den Kölnern, wirklich lange Entlastung Mangelware. Stattdessen ein geklärter Ball nach dem anderen, ohne dass ein irgendwie gearteter Rhythmus entstehen konnte.
Köln wartete bei seinen Angriffen meist ab, bis ein herausgekippter Sechser neben den Innenverteidigern den Ball erhalten konnte, von wo aus viele Flügelangriffe initiiert wurden. Phasenweise wirkte es, als sei das Spiel dasselbe wie in der ersten Halbzeit, bei dem einzig die Mannschaften die Trikots getauscht hatten. Ähnlich ideenlos wie im ersten Durchgang die Berliner rannte der Effzeh also an, vermochte es aber nicht, noch ein Tor zu erzielen. Stattdessen wurden ihnen die durch langsameres Zurückfallen etwas größer werdenden Räume zum Verhängnis – Ibisevic erzielte durch einen Elfmeter das 2:0.
Nach und nach flachte das Spiel ab (oder eher auf?), es entwickelte sich ein uninteressanteres Spiel, bei dem aber auch keine Mannschaft mehr so eindeutige Defizite aufwies.
Fazit: Das Spiel ähnelte dem Aufeinandertreffen mit Augsburg in der letzten Saison, als auch Manuel Baums Team der Hertha den Gefallen tat, einfach mal ohne Intensität und total unkompakt zu verteidigen. Insofern war es schon fast erschreckend, wie wenige Mittel der Hauptstadtklub gegen augenscheinlich so unambitionierte Gegner findet. Immerhin ist noch Skjelbred da.

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